Zunderschwamm – Begleiter des Menschen

Begleiter des Menschen:

Zunderschwamm

Über Jahrtausende wurde der Zunderschwamm von Menschen in vielerlei Hinsicht genutzt. Während der Siegeszug moderner Chemie ihn in den letzten zweihundert Jahren in Vergessenheit geraten ließ, rückt sein Nutzen für die menschliche Gesundheit seit einigen Jahren wieder ins Bewusstsein.

Der Zunderschwamm ist ein Baumpilz, der in weiten Teilen der Welt heimisch ist. In Europa wächst er überwiegend an Birken und Buchen. Er befällt geschwächte Laubbäume und bildet an den Stämmen dicke, invers konsolenförmige Fruchtkörper. Die mehrjährigen Gebilde können im Durchmesser bis zu 30 cm erreichen. Das Pilzgeflecht des Zunderschwamms durchdringt den Baum und zersetzt diesen von innen. Für das Wald-Ökosystem ist dies ein überlebenswichtiger Prozess. Dadurch wird Platz für neue Bäume geschaffen und die im Holz enthaltenen Nährstoffe gelangen wieder in den Boden.

Etliche Funde aus Steinzeitsiedlungen belegen, dass die Verwendung des Zunderschwamms etwa 10.000 Jahre zurückreicht. Den Namen Zunderschwamm verdankt der Pilz unseren Vorfahren, die schon vor 10.000 Jahren aus den äußeren Schichten sogenannten Zunder gewannen, mit dem sie Feuer entfachen („zündeln“) konnten. Erst mit dem Aufkommen der Zündhölzer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam diese Methode aus der Mode.

Aufgrund seiner heilenden Wirkungen wurde der Zunderschwamm seit der Antike bis in die Neuzeit bei Hautproblemen und Wunden eingesetzt. Seine altertümliche Bezeichnung als Wund- oder Chirurgenschwamm lässt auf seine Wichtigkeit in der medizinischen Verwendung deuten. Bereits Hippokrates von Kos (ca. 370 v. Chr.), der als Urvater der Medizin gilt, dokumentierte den Einsatz des Zunderschwamms zur Wundversorgung sowie seine blutstillenden und antiseptischen Eigenschaften.

In der Volksmedizin verwendete man den Pilz auch innerlich bei Blasenleiden und zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen. Die Chinesische Volksmedizin setzt den Zunderschwamm bei Lungenerkrankungen, Asthma und Magenverstimmungen ein, auch bei Speiseröhren-, Magen- und Gebärmutterkrebs. In Japan nutzte man den Zunderschwamm innerlich als Teezubereitung (Heißwasser-Extraktion) zur Behandlung bei Erkältungskrankheiten, Grippe, Bronchitis und Schwächezuständen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Verbreitung synthetischer Arzneimittel rasant zu, die als modern gegolten haben dürften, weil der eingesetzte Wirkstoff eindeutig definierbar war, während bei den überkommen pflanzlichen Heilmitteln die einzelnen Wirkstoffe nicht isoliert wurden. Der Zunderschwamm geriet durch diese Entwicklung nach und nach in Vergessenheit.

In jüngerer Zeit beschäftigen sich international viele forschende Einrichtungen mit der Aufklärung der Stoffe, die in tradierten Heilmitteln wie z.B. Vitalpilzen enthalten sind. So weiß man heute, dass der Zunderschwamm eine Reihe von Stoffen enthält, denen einen erheblicher medizinischer Nutzen zugetraut wird, so Triterpene, Glucoronsäure und Beta 1,3 /1,6 D- Glucan.

Beta-Glucane

Beta Glucane sind ein natürlicher Bestandteil der Zellwände von Bakterien, Pilzen, Hefen und Getreidearten wie Hafer und Gerste. Die verschiedenen Arten von Beta-Glucanen sind durch unterschiedliche Verzweigungsgrade und Gewichte der Moleküle charakterisiert, was sich auf deren Löslichkeit und physiologischen Eigenschaften auswirkt. Da Menschen über keine Enzyme zur Spaltung von Beta-glycosidische Bindungen verfügen, können von Menschen nicht verstoffwechselt werden. Deshalb zählen Beta-Glucane zur Kategorie der Ballaststoffe.

In Abhängigkeit von der Quelle weisen Beta-Glucane signifikant unterschiedliche physikalisch-chemische Eigenschaften auf, weshalb sie im menschlichen Körper unterschiedliche Effekte haben. So binden Beta 1,3 /1,6 D- Glucane an die Rezeptoren Dectin-1, Komplementrezeptor 3 (CR3) und Toll-like Rezeptoren (TLR). Einige Studien lassen darauf schließen, dass sie hierdurch immunmodulatorische Eigenschaften haben.

Innovative Bio-Wirkstoffe aus dem Zunderschwamm revolutionieren die Pflege entzündlicher Hauterkrankungen und unterstützen das Immunsystem von außen gleichermaßen wie von innen.